Es gibt diese Frage, die auf jeder Familienfeier irgendwann kommt: „Und, wo war es am schönsten?" Meistens antwortet jemand mit Bora Bora, weil das Foto mit dem über dem Wasser schwebenden Bungalow im Kopf hängt. Und dann sitzen alle da und nicken, als wäre die Sache damit geklärt. Ist sie aber nicht.
Denn die schönste Insel der Welt lässt sich nicht per Abstimmung ermitteln, schon gar nicht per Instagram-Like. Sie hängt davon ab, ob Sie mit Rucksack oder Koffer reisen, ob Sie morgens um sechs allein am Strand stehen wollen oder abends im Beachclub, ob Sie Hügel mögen oder lieber flach am Wasser entlanglaufen. Ich habe mir über die Jahre eine ziemlich eigenwillige Liste zusammengestellt, und ich verteidige sie bis heute.
Wichtige Erkenntnisse
- Es gibt keinen offiziellen Titel „schönste Insel der Welt" – jede Rangliste folgt eigenen Kriterien.
- Bora Bora ist die schönste Lagune der Welt, aber nicht zwingend die schönste Insel für jeden Reisetyp.
- Zakynthos liefert die spektakulärste Einzelkulisse Europas, leidet aber unter Trubel in der Hochsaison.
- Deutschlands schönste Insel ist Ansichtssache – Rügen und Sylt streiten sich seit Jahrzehnten.
- Wer Schönheit über Touristenströme stellt, sollte Nebensaison und Anreisetag clever wählen.
Warum die Frage nach der schönsten Insel eigentlich unbeantwortbar ist
Ich saß mal auf einer Terrasse auf Fuerteventura, mit Blick auf eine schwarze Lavawüste, die in ein so helles Türkis fiel, dass es fast kitschig wirkte. Neben mir eine Frau aus Hamburg, die genau an diesem Tag sagte: „Also ich verstehe nicht, was alle an dieser Insel finden. Überall nur Steine."
Zwei Menschen. Gleicher Ort. Zwei völlig gegensätzliche Urteile.
Genau hier liegt das Problem mit jeder Rangliste: Schönheit ist eine Projektion. Wer aus dem Sauerland kommt und das Meer vermisst, bewertet eine Küste anders als jemand, der in Lissabon aufwächst und Berge sucht. Die einen schwärmen von Palmen und überwasser-Bungalows, die anderen wollen Fjorde und Nebel.
Kriterien statt Gefühl: woran man wirklich messen kann
Was sich messen lässt, sind harte Faktoren. Wer eine Insel bewerten will, sollte auf fünf Dinge schauen:
- Wie viel der Fläche ist überhaupt unberührt?
- Wie lang ist die Anreise – und steht das Verhältnis noch?
- Wie viele Menschen teilen den Strand mit Ihnen im August?
- Gibt es überhaupt Jahreszeiten, die diesen Namen verdienen?
- Und: Würden Sie wiederkommen, wenn Sie könnten?
Der letzte Punkt ist der ehrlichste. Eine Insel, die Sie beim ersten Besuch umhaut und beim zweiten langweilt, ist nicht die schönste. Sie ist nur die fotogenste.
Ist Bora Bora die schönste Insel der Welt?
Die kurze Antwort: Es kommt darauf an, was Sie unter „schön" verstehen. Die längere Antwort ist interessanter.
Bora Bora liegt in Französisch-Polynesien, umgeben von einem Riff und einer Lagune, deren Farbverlauf sich in Worten kaum beschreiben lässt – von fast weißem Sandtürkis am Ufer bis zu einem tiefen Blau am Riffrand. Diese Lagune ist in ihrer Art weltweit einzigartig. Der Vulkan Otemanu ragt in der Mitte auf, und wenn Sie morgens auf einem Steg stehen, während die Sonne hinter dem Berg hochkommt, verstehen Sie, warum diese Insel auf jeder zweiten Hochzeitsliste steht.
Der Haken an der perfekten Kulisse
Was in den Hochglanzfotos fehlt: Bora Bora ist eine sehr teure Insel. Die berühmten Bungalows auf Stelzen sind ein Preissegment, in dem viele Reisende nur einmal im Leben landen – wenn überhaupt. Und die Insel selbst, also das Festland, ist erstaunlich klein und wenig spektakulär, verglichen mit der Lagune. Wer sich eine Woche lang nur im Resort aufhält, sieht im Grunde ein einziges, sehr schönes Panorama immer wieder.
Mein Urteil: Bora Bora hat die schönste Lagune der Welt. Ob es die schönste Insel ist, entscheidet Ihr Budget und Ihr Bedürfnis nach Abwechslung. Wer nach einer Woche noch etwas Neues entdecken möchte, wird auf Bora Bora schneller an Grenzen stoßen als auf einer größeren Insel wie Palawan oder den Seychellen.
Ist Zakynthos die schönste Insel der Welt?
Hier wird es spannend, denn Zakynthos spielt in internationalen Ranglisten meist nur eine Nebenrolle – und das ist ein Fehler. Die griechische Insel im Ionischen Meer hat mit der Shipwreck Beach (Navagio) eine der berühmtesten Kulissen Europas: ein weißer Kiesstrand in einer von Felswänden umschlossenen Bucht, in der ein rostendes Schiffswrack liegt. Von oben gesehen – von der Steilküste aus – ist das ein Bild, das man so schnell nicht vergisst.
Was die Fotos verschweigen
Die Navagio-Bucht erreichen Sie fast nur per Boot. Und dort treffen Sie in der Hochsaison auf Dutzende Ausflugsboote, die im gleichen Zeitfenster anlanden. Ich habe das einmal miterlebt: Am Strand standen mehr Menschen als Muscheln. Die Kulisse bleibt großartig, das Erlebnis wird es nicht.
Abseits davon ist Zakynthos grün, hügelig und überraschend ursprünglich – wenn Sie sich von der Westküste wegbewegen. Die Insel kann die schönste Europas sein, aber nicht im August und nicht, wenn Sie nur die Hotspots ansteuern. Für mich ist Zakynthos der Beweis, dass Timing mehr über Schönheit entscheidet als das Reiseziel selbst.
Welche sind die 7 schönsten Orte der Welt?
Eine feste, allgemeingültige Liste gibt es nicht – jede Rangliste setzt eigene Prioritäten. Ich habe meine sieben nach einem einfachen Prinzip zusammengestellt: Jeder Ort muss eine Sache haben, die es so nirgends sonst gibt.
- Palawan (Philippinen) – unterirdische Flüsse und Kalksteinklippen, die wie gemalt wirken.
- Bora Bora – die Lagune, die jeden Farbvergleich gewinnt.
- Die Seychellen mit Granitfelsen, die direkt aus dem türkisen Wasser wachsen – eine geologische Besonderheit, die es weltweit kaum ein zweites Mal gibt.
- Zakynthos – die Navagio-Bucht als eine der dramatischsten Küsten Europas.
- Die Malediven – hunderte flache Atolle, von denen viele nur ein einziges Resort tragen.
- Fuerteventura – wer Wüste und Meer in einem Bild will, findet das hier, und zwar ohne Palmenkitsch.
- Die Osterinsel – kein Strandparadies, aber die einzige Insel, an der Sie vor Statuen stehen, deren Herkunft noch immer Rätsel aufgibt.
Kurz gesagt: Die schönsten Orte der Welt sind selten die bequemsten. Aber sie sind die, über die Sie Jahre später noch reden.
Welche ist Deutschlands schönste Insel?
Diese Frage wird in Deutschland mit einer Erbitterung geführt, die man sonst nur aus Fußballstadien kennt. Die zwei Lager sind klar.
| Insel | Typische Stärke | Typische Schwäche |
|---|---|---|
| Rügen | Kreidefelsen, Buchenwälder, über 50 km Küste | In der Hochsaison sehr voll an den Hotspots |
| Sylt | Weite Strände, Nordseeflair, markante Dünenlandschaft | Wetter launisch, Preise hoch |
| Usedom | Längste Strandpromenade, flache Badestrände | Wenig dramatische Landschaft |
Ich gehöre zum Rügen-Lager, und ich werde dafür argumentieren, solange ich kann. Die Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund sind das spektakulärste Stück deutsche Küste, das ich kenne – weiß leuchtende Wände, die senkrecht ins Meer fallen, dahinter ein alter Buchenwald, der zum Weltnaturerbe gehört. Wenn Sie morgens vor acht dort hochlaufen, haben Sie das Ganze oft fast für sich.
Sylt hat seine Fans zu Recht, aber es ist eine andere Art von Schönheit – mehr Weite, weniger Drama. Wer beides kennt, entscheidet meist nach Gefühl, nicht nach Argumenten.
Der Tipp, den kaum einer befolgt
Egal, welche Insel: Die Nebensaison macht aus einer guten deutschen Insel eine großartige. Im Mai oder September sind die Strände leerer, das Licht weicher, und die Preise fallen oft deutlich. Das klingt banal, ist aber der einzige echte Hebel, den Sie haben.
Was am Ende wirklich zählt
Wenn Sie mich heute fragen, welche die schönste Insel der Welt ist, antworte ich: die, an die Sie sich in zwanzig Jahren noch erinnern. Bei mir ist das nicht Bora Bora – dort war ich nie, ich kenne die Insel nur aus Erzählungen und Fotos. Es ist ein kleiner Strand auf Fuerteventura, an dem ich stundenlang auf schwarzen Kieseln saß und nichts tat.
Schönheit ist nicht objektiv, und das ist keine Ausrede, sondern die eigentliche Antwort. Jede Rangliste sagt mehr über den Menschen, der sie schreibt, als über die Inseln darauf. Wenn Sie also das nächste Mal gefragt werden – sagen Sie, was Ihnen wirklich im Kopf geblieben ist, nicht was in der Broschüre stand.
Und wenn es Bora Bora war, dann erzählen Sie es ruhig mit Nachdruck. Ich höre gerne zu.